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Gast-Kommentar
Schweiz
11.01.2026
11.01.2026 19:09 Uhr

Erich von Däniken – ein Nachruf

Nicht einmal der Himmel war eine Grenze für ihn: Erich von Däniken eroberte von Schaffhausen aus Universum.
Nicht einmal der Himmel war eine Grenze für ihn: Erich von Däniken eroberte von Schaffhausen aus Universum. Bild: Keystone SDA
Schaffhausen prägte ihn, die Welt faszinierte ihn: Erich von Däniken ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Erich von Däniken war nie nur der Mann der Pyramiden, der Nazca-Linien und der rätselhaften Götter aus dem All. Er war auch ein Schaffhauser Bub, geprägt von Bombenlärm, Rheinwasser und katholischer Strenge.

Im Licht von Schaffhausen

Wer verstehen will, weshalb von Däniken später die grossen Fragen stellte, muss zurück an den Rhein, in eine pittoreske Kleinstadt, die mehr erlebt hat, als ihre idyllischen Postkarten verraten. Als Schaffhauserin ist es der Schreibenden ein Anliegen, Erich von Däniken im Lichte seiner Schaffhauser Vergangenheit zu würdigen.

Die Bombardierung als Schlüsselmoment

Als 1944 amerikanische Bomber irrtümlich Schaffhausen bombardierten, war Erich von Däniken noch ein Kind. Häuser brannten, Menschen starben im Norden der neutralen Schweiz am Rhein. Die Opfer der Bombardierung sind alle im Schaffhauser Waldfriedhof bestattet.

Für viele war die Bombardierung damals ein tragischer Irrtum. Für den jungen von Däniken ein Schlüsselmoment: Wenn selbst die Wirklichkeit so falsch laufen kann – was stimmte dann überhaupt?

Lausbubenzeit am Rhein

Schaffhausen bedeutete für ihn aber nicht nur Schrecken, sondern auch Lausbubenzeit. Eine heute legendäre Anekdote erzählt, wie der etwa zehnjährige Erich auf einem Waschschiff am Rhein mit einem Freund experimentierte. Ein Spirituskocher, eine dumme Idee – beinahe ein Brand.

Fragen über Fragen

Kein Schaden, aber eine Lektion: Neugier kann gefährlich sein. Und lässt sich trotzdem nicht abstellen. Aufgewachsen in einer streng katholischen Umgebung, lernte von Däniken früh Bibelgeschichten, Wunder und Dogmen. Doch statt sie einfach zu glauben, begann er zu fragen: Was, wenn diese Engel mehr sind? Was, wenn Gott technisches Allwissen hat?

Diese Fragen machten ihn später weltberühmt – und in akademischen Kreisen berüchtigt.

Vom Munot in die Welt

Und während der Munot stoisch über Schaffhausen wachte und die Wassermassen im Rheinfall sangen und donnerten, ging von Däniken hinaus in die Welt. Seine Bücher verkauften sich millionenfach, seine Thesen spalteten Generationen.

Schaffhauser kennen die Antworten auf von Dänikens Fragen auch nicht – aber man kennt hier in der Kleinstadt am Rhein den Ursprung.

Nie zurück – aber auch nie weg

Erich von Däniken hat bewiesen, dass Zweifel grösser sein können als Gewissheiten – und dass ein Junge aus einer Kleinstadt wie Schaffhausen die Welt dazu bringen kann, nach oben zu schauen.
Vielleicht blickt auch jetzt manch einer über den Rhein hinaus in den Himmel hoch, weil man durch den berühmten Schaffhauser gelernt hat, Fragen zu stellen.

Zürich24/Ursula Litmanowitsch
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